Gemeinsam. Stärker.

Das Rosenheimer Modell zur Berechnung des Unterhalts nach der Trennung.

Fragwürdige Rechtfertigung des Residenzmodells aufgrund des „Kontinuitätsprin­zips“

Das Kontinuitätsprinzip wird oft angeführt, um ein Residenzmodell bei einem Elternteil zu rechtfertigen. 

Im folgenden wird eine typische Entwicklung von der intakten Familie vor der Trennung bis hin zu einem Residenzmo­dell bei einem Elternteil nach der Trennung aufgezeigt. Die daraus resultierenden Veränderungen im Beziehungsgefüge der Familie sind in drei Phasen dargestellt. 

Es zeigt sich, dass das Residenzmodell, ganz im Gegensatz zur postulierten Kon­tinuität, eine fundamentale Veränderung der bisherigen Beziehungsstruktur der Familienmitglieder, dar­stellt. Die Sinnhaftigkeit des Kontinuitätsprinzips wird damit ad absurdum geführt.

Im fol

Phase 1: Situation vor der Trennung: Die intakte Familie

Grundannahme für die intakte Familie:

  • Der "Hauptverdiener" (Vater) geht Montag bis Freitag von 8:00 Uhr bis 17:00 seiner Erwerbstätigkeit nach.
  • Die Mutter betreut jeden Tag ab 13:00 (Unterrichtsende) das gemeinsame Kind


Graphik 1: Betreuungsplan der „intakten“ Familie:


Tabelle 1: Zeitanteile des Kindes bei beiden Eltern


In der vorgestellten „intakten“ Familie arbeitet der Vater als Hauptverdiener, die Mutter ist Nachmittags zuhause und betreut das Kind. Trotz der Erwerbstätigkeit des Vaters verbringen das Kind und der Vater etwa 73% der Zeit miteinander, der Betreuungsanteil der Mutter ist mit etwa 85% ge­ringfügig höher. Das Kind sieht seinen Vater jeden Tag und jede Nacht


Phase 2: Situation nach der Trennung: Residenzmodell bei der Mutter

Grundannahme für die Trennungsfamilie im Residenzmodell bei der Mutter:

  • Der Vater geht täglich von 8:00 Uhr bis 17:15 seiner Erwerbstätigkeit nach, außer am Mitt­woch, dann arbeitet er nur bis etwa 15:00 Uhr. Dann übernimmt er die Betreuung des Kindes.
  • Die Mutter betreut das Kind jeden Tag (außer Mittwochs) ab 13:00 Uhr (Unterrichtende).
  • Der Vater betreut das Kind am Mittwoch ab 15:00 Uhr und an jedem zweiten Wochen­ende von Samstag 10:00 Uhr bis Sonntag 19:00 Uhr (entspricht dem „normalen Umgang“ in Deutschland, wie er oft von Gericht angeordnet wird).


Graphik 2: Betreuungsplan der Trennungsfamilie im "Residenzmodell" bei der Mutter:


Tabelle 2: Zeitanteile des Kindes bei beiden Eltern im "Residenzmodell" bei der Mutter:


In Deutschland gilt für Trennungsfamilien das Prinzip „einer betreut, einer zahlt“. Deshalb wird im Regelfall das Residenzmodell bei einem Elternteil, normalerweise bei der Mutter, von Gericht ange­ordnet, begründet vor allem auch mit dem Kontinuitätsprinzip. 

Das Kontinuitätsprinzip erhält die Kind-Mutter-Beziehung weitgehend unverändert, re­duziert jedoch den Betreuungsanteil beim Vater, als elementare Voraussetzung für die stabile Kind-Vater-Beziehung, in katastro­phaler Weise. 

Im Residenzmodell gibt es keine Kontinuität der Kind-Vater-Bezie­hung.

Es ist unstrittig, dass die gute Beziehung zu beiden Elternteilen für die gesunde Entwicklung des Kin­des essentiell wichtig ist.


Phase 3: Betreuungssituation im Residenzmodell bei der Mutter mit Ganztagsbetreuung,

Grundannahme für die Trennungsfamilie im Residenzmodell mit Ganztagsbetreuung:

  • Der Vater geht täglich von 8:00 Uhr bis 17:15 Uhr in die Arbeit, außer am Mitt­woch, dann arbeitet er nur bis etwa 15:00 Uhr
  • Die Mutter kümmert sich jeden Tag (außer Mittwoch) ab 17:00 Uhr (Ende der Ganztagsbetreuung) um das Kind
  • Der Vater betreut das Kind am Mittwoch ab 15:00 Uhr und an jedem zweiten Wochen­ende von Samstag 10:00 Uhr bis Sonntag 19:00 Uhr (normaler Umgang in Deutschland, wie er oft von Gericht angeordnet wird)


Graphik 3: Betreuungsplan der Trennungsfamilie im "Residenzmodell" bei der Mutter mit Ganztagsbetreuung:


Tabelle 3: Zeitanteile des Kindes bei beiden Eltern im "Residenzmodell" bei der Mutter mit Ganztagsbetreuung:


 

Steigert die Mutter im Residenzmodell ihre Berufstätigkeit, und wird das Kind deshalb zukünftig in der Ganztagsbetreuung beaufsichtigt, so reduziert sich seine Zeit mit seinen Eltern im Beispiel um weitere 36 Stunden.

Das Kind verbringt dann mehr als doppelt so viel Zeit in der Schule und der Ganztagsbetreuung wie mit seinem eigenen Vater



Graphische Darstellung der Veränderung der Alltagsnähe innerhalb der Familie durch die Anwendung des "Kontinuitätsprinzips".


Graphik 4: Kind-Mutter-Zeitanteil

Graphik 5: Kind-Vater-Zeitanteil



Beziehung braucht Zeit und Alltagsnähe. Das Kontinuitätsprinzip schützt durch die ungleiche Zeitverteilung fast ausschließlich die Alltagsnähe des Kindes mit der Mutter nach der Trennung, aber nicht die ebenso wichtige Zeit des Kindes mit dem Vater. Die Beziehung des Kindes zum Vater ist im Residenzmodell nach der Trennung fundamental gefährdet.

Das Residenzmodell, begründet mit dem „Kontinuitätsprinzip“ stellt keine Fortsetzung sondern vielmehr einen grundlegenden Bruch des bisherigen Beziehungsgefüges der Familie dar.

Nur im Wechselmodell hat das Kind viel Alltagsnähe mit beiden Eltern als unerlässliche Grundvoraussetzung für eine tragende und dauerhafte Beziehung zu seinem Vater und seiner Mutter.